Wandern wo früher Panzer rollten – Naturschutzgebiet Stilleking (Lüdenscheid)

Ihr seid auf der Suche nach einem ganz ursprünglichen Naturerlebnis? Dann ist diese Wanderung genau das richtige für Euch. Wo früher Panzer rollten, ist heute ein Naturschutzgebiet entstanden, welches neue Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten geschaffen hat und Euch die Möglichkeit bietet diese auf einer entspannten und abwechslungsreichen Wanderung hautnah zu erleben. Pampa Explorer Katharina Korn nimmt euch mit auf Tour und zeigt euch die schönsten Highlights. 

Los geht's - Wo startet die Tour?

Meine Wanderung starte ich vom Wanderparkplatz an der Werkshagener Straße aus, weil dieser gleich 3 Vorteile bietet: er ist kostenlos, er stellt einen der nahegelegensten Einstiegspunkte in die Ochsentour dar und er führt mich bereits vor dem Start in die Ochsentour zu einem der Highlights in der Gegend, dem Homertturm. Diesen erreicht Ihr recht zügig, nachdem Ihr die Werkshagener Straße überquert und den ca. 500 Meter langen, ersten etwas steilen Anstieg gemeistert habt. Noch während Ihr auf dem zunächst asphaltierten, und darauf folgenden Schotterweg, auf den Turm zulauft, habt Ihr eine erste schöne Aussicht von der Homert auf das umliegende Ebbegebirge und den Lüdenscheider Kreis.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Auf zum Hommertturm

Am Homertturm angekommen, lasse ich den Turm – sowie den daran angeschlossenen Rastplatz und die Schutzhütte des Sauerländischen Gebirgsvereins – zunächst bewusst „links liegen“. Hier werde ich mich später etwas ausruhen, sobald ich mich auf dem Rückweg von meiner Wanderung befinde. Jetzt bin ich – als bekennende Tierliebhaberin – erstmal wild auf die Ochsen. Wenn Ihr es mir gleichtun wollt, dann folgt auch Ihr dem mit dem schwarzen Ochsenkopf gekennzeichneten Wanderweg, der – bis zum Erreichen des eigentlichen Ochsen Rundwegs – rechts am Homertturm vorbei den Berg hinunter führt und für ca. 1 km dem Wanderweg A1 folgt. Bitte beachtet auf diesem Weg folgendes:

  • Ihr stoßt bergab mindestens auf zwei Weg Gabelungen, mit 3 möglichen Abzweigen. Dort wählt Ihr den mittleren Weg, und geht quasi immer geradeaus den Berg hinunter, bis Ihr auf das Ochsengelände stoßt.
  • Gerade in den Wintermonaten solltet Ihr festes Schuhwerk anhaben, denn die Wege, die zum Stilleking und Ochsenweg hinführen, sind weitestgehend Hohlwege, die durch die zahlreichen Baumfällungen und Holztransporte zur Zeit sehr uneben und matschig sind.
  • Haltet bereits hier Ausschau nach den Ochsen, denn vielleicht habt Ihr – so wie ich an diesem herrlich kalten, sonnigen Januar Tag – das Glück, die Herde bereits vom Berg aus erspähen zu können. Und ganz nebenbei habt Ihr hier auch einen ersten tollen Überblick über das ca. 50-60 Hektar Ochsengelände.

Im Stilleking angekommen erwartet Euch nun ein spektakulärer Blick über das Naturschutzgebiet und ein weiter Blick über die Rinderweide. Das Naturschutzgebiet Stilleking bei Lüdenscheid ist das größte Naturschutzgebiet im Märkischen Kreis. Und noch etwas ist besonders daran: dieses Landstück war bis in die 90er Jahre noch ein Truppenübungsplatz belgischer Panzereinheiten, heute haben Flora und Fauna hier das Kommando

Die Ochsentour

Gleichzeitig ist dies der Startpunkt in die Ochsentour (ich bin rechtsherum in die Ochsentour gestartet). Von hier an folgt Ihr einfach dem Weidezaun, der die Ochsen umgibt. Damit seid Ihr immer auf dem richtigen Weg, und könnt Euch auch orientieren, falls Ihr mal einen der „Ochsenköpfe“ Wegweiser überseht.

Bevor Ihr Euch auf den Rundweg begebt, habt Ihr hier die erste schöne Möglichkeit für ein gemütliches Picknick.

Stellt Euch vor: Ihr, mit einer heißen Tasse Tee auf der Panoramaliege, vor Euch die Ochsenweide mit ca. 40 gemütlich grasenden Ochsen. Wäre das etwas für Euch? Wenn Ihr jetzt noch keine Pause braucht und erst einmal näher an die Ochsen heran wollt, auch ok. Es werden sich Euch noch viele schöne Rast- und Ruheplätze entlang der Ochsentour anbieten.

Nach den ersten paar hundert Metern entlang der Ochsenweide, habt Ihr außerdem die Möglichkeit einen kleinen Abstecher zu einem weiteren, geschichtsträchtigen Highlight in der umliegenden Natur des Stilleking zu machen, der Gerichtslinde.

Mitunter habt Ihr hier auch die Chance ein paar seltene Vögel zu beobachten, da die Linde etwas abseits vom Ochsen Rundweg und sehr ruhig inmitten eines Waldgebietes gelegen ist. Ich hatte hier das Glück, neben dem Plätschern des Flusses Hemecke, zwei seltene Vogelarten beobachten und Ihren Gesängen lauschen zu dürfen (Feldlerche und Kleiber).

Zurück auf dem Ochsenweg, könnt Ihr mit den Ochsen auf Tuchfühlung gehen, die das ganze Jahr über auf dem Hochplateau im Stilleking im Freien leben.

Bitte beachtet, dass Ihr die Ochsen keinesfalls streicheln oder füttern dürft.

Dafür kommt Ihr – an einem glücklichen Tag – ganz nah an Sie heran und könnt Ihr ruhiges Gemüt beobachten, während sie gemütlich auf der Weide grasen. Ich hatte das Glück ¾ meiner Wanderroute in Begleitung der Ochsen zurückzulegen, das war ein echtes Highlight!

Neben dem unmittelbaren Kontakt zu den Ochsen, sowie zahlreichen gemütlichen Bänken, die entlang des Ochsenweges zur Rast und zum Beobachten der Tiere, Pflanzen und Natur einladen, werdet Ihr entlang des Ochsenweges auch auf 2 schöne Brücken stoßen, welche die teilweise voneinander abgetrennten Weideflächen miteinander verbinden, wunderschöne Ausblicke in die umliegende Natur bieten und ganz nebenbei schöne Fotospots auf Eurer Tour darstellen. 

Und auch die Pflanzenwelt im Stilleking ist nicht zu verachten. Solltet Ihr Liebhaber seltener Pflanzen sein, dann empfehlen sich besonders die Frühlings- und Sommermonate um im Stilleking nach Feld-Thymian, Färber Ginster, Gamander Ehrenpreis, Besenheide oder Heidekraut auf die Suche zu gehen.

Nachdem Ihr einen Großteil des bisher sanft hügeligen Ochsengeländes umwandert habt, wartet nun ein recht steiler Anstieg auf Euch. Aber keine Sorge, die Mühe lohnt sich, denn es erwarten Euch gleich zwei weitere Highlights auf dem etwas anspruchsvollen Rückweg. Zum einen ein fantastischer Panoramablick auf Lüdenscheid zu Eurer linken Seite, mit der davorliegenden Ochsenweide sowie den gemütlich darauf grasenden Ochsen. Zum anderen der – durch den Borkenkäfer sowie die Waldabholzung – leider seltener gewordene Anblick des Homertturms inmitten eines schönen ihn umgebenden Waldabschnitts direkt voraus. 

Nun durchquert Ihr noch einmal ein kurzes Waldstück, wo Ihr am Wegesrand noch letzte Überreste der ehemaligen Schießstände des belgischen Militärs ausmachen könnt, bevor Ihr am vorherigen Startpunkt der Ochsentour angekommen seid. Dann heißt es noch einmal „steil bergauf“, um zurück zum Homertturm zu gelangen, wo Euch der 22 Meter hohe Aussichtsturm sowie ein ihn umgebender Rastplatz inklusive Panoramaliegen und Sitzbänken dazu einladen den Tag mit einem herrlichen Ausblick auf das märkische Sauerland und den Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. 

Tagesfazit

Wer Naturnähe, Tierkontakt und Entschleunigung sucht, ist im Naturschutzgebiet Stilleking und auf dem Ochsenweg in Lüdenscheid genau richtig. Außerdem zeigt diese Initiative auf sehr eindrucksvolle Weise auf, dass sich Naturschutz und Tourismus auf wirkungsvolle Weise miteinander vereinen lassen. Denn uns Menschen kann es mit gutem Willen und etwas Einsatz eben doch gelingen Naturschutz einerseits zu fördern, indem wir die Natur sich selbst überlassen und so neue Lebensbereiche für rare Tier- und Pflanzenarten entstehen lassen. Und andererseits, und zwar nur in respektvollem Umgang und im Einklang mit der Natur sowie sichern dessen Bestandes, gleichzeitig das Entstehen neuer Erholungsgebiete und Ausflugsziele zu sichern.

Was die Zeitspanne angeht, lässt sich der Rundweg locker in ca. 1,5 Stunden meistern (ich selbst habe in dieser Zeit ca. 8 km zurückgelegt). Allerdings solltet Ihr mehr Zeit einplanen, um genügend Zeit für Tierbeobachtung zu haben, um vollends in die schöne Natur eintauchen zu können und um Euch ausgiebige Ruhepause inmitten dieser besonderen Natur-, Tier- und Pflanzenwelt zu gönnen (in meinem Fall war es ein entspannter Halbtagsausflug, wovon ich die Hälfte der Zeit mit den Ochsen verbracht habe). Die wenigen Höhenmeter erfordern etwas Kondition, sind aber auch für ungeübte Wanderer absolut machbar (genügend Pausen- und Sitzplätze sind an vielen Ecken vorhanden).

Weitere empfehlenswerte Ausflugstipps in der Nähe sind folgende:

  • Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e.V. / Oelken Hof
  • Ehemalige belgische Panzerhalle
  • Schloss Neuenhof
  • Elspe Tal
  • Versetalsperre

Lasst uns raus gehen und diese erkunden. It’s all about EXPLORE, what do you want more? – Werdet Teil unserer Pampa Community und nutzt unseren Hashtag #pampaexplorer um eure Erlebnisse mit uns zu teilen.
Ihr habt etwas neues auf der Tour entdeckt? Immer her damit, wir freuen uns mit euch auf Entdeckungstour im Sauerland zu gehen! @pampaexplorer